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Belastungen durch Umweltgifte


Die Umweltbelastungen nehmen in jüngster Zeit drastisch zu. Jeden Tag gelangen etwa 20 - 30 völlig neuartige chemische Verbindungen in unsere Umwelt.

Umweltgifte wirken vor allem in Innenräumen belastend, da sich der Mensch dort überwiegend aufhält.

Oft werden gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Wohngifte nicht erkannt. Akute Vergiftungen sind selten. Meist wird der Organismus chronisch belastet und reagiert mit unspezifischen Krankheitssymtomen.

Befindlichkeitsstörungen sind der Beginn jeder chronischen Vergiftung.Untersuchungen von Blut oder Urin eignen sich, um akute Vergiftungen zu entdecken. Für den Nachweis der wesentlich häufigeren chronischen Belastungen sind sie in der Regel ungeeignet, da sich die Schadstoffe im Fettgewebe und nicht im Blut oder Urin anreichern.

Viele Wohngifte verstärken einander in ihrer Wirkung auf das Nerven- und Immunsystem.

Charakteristisch für die durch Innenraumgifte ausgelösten Symptome ist, daß diese nachlassen, sobald der Körper den Schadstoffen nicht mehr ausgesetzt ist wie z.B. bei Kuraufenthalten oder im Urlaub.

Ausgasende Möbel, Baustoffe, lösungsmittelhaltige Lacke, Farben und Kleber belasten heute in fast jedem Innenraum die Luftqualität.

Manche Wohngifte, wie Lösungsmittel, gelangen über den Blutkreislauf ins Gehirn und überschreiten dort die Blut / Gehirnschranke.

Um gesundheitliche Risiken durch Wohngifte minimieren zu können, müssen diese zuerst nachgewiesen werden.

Leichtflüchtige Schadstoffe wie Aldehyde, Lösungsmittel oder Bestandteile von Kfz-Kraftstoffen lassen sich direkt in der Raumluft nachweisen. Am genausten ist die Messung mit Hilfe einer Probenahmepumpe.

Bei Verdacht auf Belastungen mit Holzschutzmitteln, Pyrethroiden, PCB oder Weichmachern gibt eine Analyse des Hausstaubes einen guten Überblick über diese Schadstoffe.



Formaldehyd


Formaldehyd dient als Ausgangsstoff für Kunstharze und Leim. Es wird auch bei der „Textilveredelung“ verwendet. Da Formaldehyd Bakterien, Pilze und Viren abtötet, wird er auch als Konservierungsstoff und Desinfektionsmittel eingesetzt.


Leim von Holzwerkstoffen wie z.B. Span-, Sperrholz- und Tischlerplatten besteht meist aus Formaldehydverbindungen. Durch die Luftfeuchtigkeit wird aus diesen wieder Formaldehyd freigesetzt. Dieser Vorgang hält solange an, solange noch Leim vorhanden ist, der die Spanplatte zusammenhält. Häufig sind Spanplatten im Wohnbereich gar nicht sichtbar. Sie sind in Fertighäusern bzw. Wandelementen hinter einem Funier oder als Fußbodenplatte unter dem Teppich verborgen.


Bis Mitte der 80er Jahre wurden zur Wärmedämmung sogenannte UF-Ortschäume verwendet. Diese formaldehydhaltigen Schäume wurden in Mauerhohlräume sowie unters Dach gepreßt. Aus ihnen kann jahrelang Formaldehyd ausgasen.


Formaldehyd wird bei der Herstellung von säurehärtenden Kuststofflacken (SH-Lacken) verwendet. Der Großteil dieser Lacke wird für Beschichtungsfolien im Möbelbau und für Oberflächenversiegelungen von Parkettböden verwendet.

Formaldehyd kann im Wohnbereich akut giftig wirken. Chronische Einwirkung kann zu Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Abgespanntheit, Nervosität und Gereiztheit führen. Die Einwirkung höherer Konzentrationen kann zu einer Sensibilisierung führen.



Leichtflüchtige organische Verbindungen


Unter leichtflüchtigen org. Verbindungen (volatile organic compounds VOC) werden Substanzen in einem Siedepunktsbereich zwischen ca. 50C und 200C zusammengefaßt. Zu dieser Gruppe der Kohlenwasserstoffe werden unter anderem organische Lösungsmittel und Lösungsvermittler gerechnet. Als Lösemittel werden allgemein Flüssigkeiten bezeichnet, welche die Eigenschaften haben, andere feste, flüssige oder gasförmige Stoffe zu lösen. Dabei änderet sich weder die chemische Struktur des gelösten Stoffes noch die des Lösungsmittels.


Benzol ist in Deutschland als Lösungsmittel verboten. Hauptquelle für das krebserregende Benzol ist der Straßenverkehr. Im Benzin ist bis zu 5% Benzol enthalten, das dann durch unvollständige Verbrennung und Neubildung in die Autoabgase gelangt.


Probleme treten bei Häusern mit integrierter Garage auf. Benzol und andere Benzinbestandteile verdampfen aus den Kfz-Tanks. Sie dringen durch Decken und Wände und führen zu erheblichen Schadstoffkonzentrationen in den angrenzenden Wohnungen.


Organische Lösungsmittel finden sich z.B. in Lacken, Klebstoffen, Sprays und Reinigungsmitteln.

Beim Bauen und Renovieren werden große Mengen von Lacken, Farben und Klebstoffen verwendet. Damit werden Lösungsmittel im Wohnbereich freigesetzt und können auf den Menschen einwirken. Häufig gelangen Lösungsmittel durch Einatmen der Dämpfe in den Organismus.


Die in manchen Naturfarben verwendeten Lösungsmittel Limonen und D-3-Caren sind nach Erfahrungen von Baubiologen besonders problematisch für Allergiker.


Die Raumluftkonzentrationen der gefährlichen chlorierten Lösungsmittel wie Trichlorethylen und Perchlorethlen nehmen in den letzten Jahren deutlich ab. Die Hersteller von Farben, Lacken und Klebstoffen setzen zunehmend Glykolverbindungen ein. Diese Glykolverbindungen sind meistens in Teppichklebern und wasserverdünnbaren Anstrichmitteln, vor allem in den, mit dem „blauen Engel“ versehenen Wasserlacken, enthalten. Diese wasserverdünnbare Produkte werden fälschlich für unbedenklich gehalten, obwohl auch sie bis zu 10% organische Lösungsmittel, meist Glykolverbindungen, enthalten. Glykole verdunsten langsamer als die konventionellen Lösungsmittel und bilden daher in Innenräumen eine potentielle Langzeitquelle für diese gesundheitsschädigenden Substanzen.

Besonders problematisch sind Glykolverbindungen mit Siedepunkten über 200C, sie verdunsten nur extrem langsam und können daher monate- und jahrelang die Raumluft belasten.

Laut den technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) dürfen Rezepturen, die Glykolverbindungen mit Siedepunkten über 200C enthalten, als „lösungsmittelfrei“ bezeichnet werden. Vor allem die Verwendung von solcherart „lösungsmittelfreien“ Teppichklebern führt zunehmend zu großen Problemen.


Als Lösungsmittel werden neuerdings auch flüchtige Siloxane eingesetzt. Über deren Giftigkeit ist noch nicht viel bekannt.


Organische Lösungsmittel lösen sich ausgezeichnet in Fetten und fettähnlichen Substanzen. Daher durchdringen sie leicht die Membranen der Lungenzellen und werden vom Blut aufgenommen. Sie gelangen ins Gehirn, lähmen dort wichtige Funktionen des zentralen Nervensystems und wirken narkotisierend.

Chronische Einwirkungen können irreversible Schädigungen vor allem an Leber, Nieren oder Nerven hervorrufen.



Lindan und PCP


Aufgrund seines breiten Wirkungsspektrums wurde PCP (Pentachlorphenol) als Pestizid gegen Bakterien, Pilze sowie den Hausschwamm eingesetzt. Überwiegend wurde es in Holzschutzmitteln verwendet, aber auch in der Leder- und Textilindustrie (z.B. in Zeltstoffen, Markiesen, Teppichen).

Herstellungsbedingt ist PCP stets mit Dioxinen belastet. Wenn PCP nachgewiesen wird, ist davon auszugehen, daß auch Dioxine vorhanden sind. Dioxine stellen wegen ihrer extremen Giftigkeit eine ernste Gefährdung für Mensch und Umwelt dar.

PCP wurde bis Mitte der 80er Jahre verwendet. 1989 wurden Herstellung, Verkauf und Verwendung PCP-haltiger Erzeugnisse in der Bundesrepublik Deutschland verboten. Durch Importe können trozdem PCP-haltige Produkte zu uns gelangen, da in vielen Staaten, auch in der EU, die Anwendung noch erlaubt ist.


In Holzschutzmitteln wurde PCP meist in Verbindung mit dem Insektizid Lindan verwendet. Lindan wird ebenso wie PCP über die Atmungsorgane, die Haut und die Nahrung aufgenommen. Es reichert sich in Muttermilch, Blutplasma, Körperfett und im zentralen Nervensystem an.



Pyrethroide


Pyrethroide sind synthetische Abkömmlinge des Pyrethrums, eines natürlichen Insektizids, das aus Chrysanthemenblüten gewonnen wird. Pyrethroide wurden deshalb als „Bio-Insektizide“ eingeführt und vermarktet. Da das Naturprodukt Pyrethrum schnell abbaubar ist, wurde an seiner chemischen Struktur so lange manipuliert, bis es länger und besser wirkte. Die so entstandenen Abkömmlinge, die Pyrethroide, reichern sich im menschlichen Organismus an und können irreversible Gesundheitsschäden hervorrufen.


Haupteinsatzgebiete sind Schädlingsbekämpfung, Textil- und Holzschutz. Auch in Holzschutzmitteln mit dem RAL-Gütezeichen können Pyrethroide enthalten sein.

Besonders hohe Wikstoffmengen werden aus Elektroverdampfern und bei gewerblichen Schädlingsbekämpfungen freigesetzt.


Wollteppiche werden häufig „mottenecht“ ausgestattet oder „eulanisiert“. Seit 1985 werden hierfür Pyrethroide eingesetzt.

Folgende Teppichsiegel deuten auf eine Ausrüstung gegen Motten- und Käferlarven hin:

Teppichboden schadstoffgeprüft von GuT (Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden)

Teppichsiegel ETG (Europäische Teppichgemeinschaft)

Wollsiegel


Bekleidungstextilien (auch die mit dem Wollsiegel) sind in der Regel nicht behandelt.


Chronische Pyrethroidvergiftungen äußern sich hauptsächlich in Beeinträchtigungen des Nervensystems. Diese reichen von Konzentrations- und Gedächnisstörungen über allgemeine Leistungsminderung bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.



Phthalat-Weichmacher


Damit Kunststoffe flexibel sind und besser verarbeitet werden können, werden sogenannte Weichmacher beigemischt. Besonders PVC(Vinyl)-Produkte enthalten viele Weichmacher. Die Auswahl der im Haushalt verwendeten PVC-Materialien ist groß: Fußbodenbeläge, Vinyltapeten, PVC-Weichprofile (Sockelleisten, Fensterdichtungen, Fugendehnungsbänder u.a.), Kunstleder, Tischdecken, Elektrokabel etc.


Die als Weichmacher eingesetzten Phthalate werden vom Organismus über die Luft sowie über belasteten Staub aufgenommen. Langfristige Einwirkungen können beim Menschen zentralnervöse Schädigungen, Störungen des Immunsystems und der Fortpflanzung hervorrufen. Einige Phthalate stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.



PCB


Die Stoffgruppe der Polychlorierten Biphenyle (PCB) umfaßt 209 Substanzen. Diese werden immer als Gemische eingesetzt.

PCB wurden als Transformatoren- und Hydrauliköl verwendet. Zwischen 1965 und 1975 wurden sie in dauerelastischen Dichtungsmassen zwischen Betonfertigbauteilen, bei Fenstern und Türen sowie im Sanitärbereich als Weichmacher eingesetzt. Ältere elektronische Bauteile wie Starter von Leuchtstofflampen können PCB freisetzen. 1978 wurde der Einsatz von PCB in der Bundesrepublik Deutschland verboten.


Polychlorierten Biphenyle reichern sich über die Nahrungskette im menschlichen Fettgewebe an. Chronische PCB-Belastungen führen zu Gewichtsverlust, Störungen des Immunsystems, Erbgutveränderungen sowie Entwicklungsstörungen bei Kindern. PCB stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.


Dies ist nur ein kleiner Überblick über die Gifte, die uns in unseren Wohnräumen belasten. Durch das Aufspüren von Schadstoffherden können Sie diese Gefahrenquellen sanieren bzw. beseitigen.

Quelle: Informationsbroschüren Analyselaboratorien AnBUS e.V., Fürth und ALAB, Berlin


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